Cluster, Chunks und Hierarchien – Drei Regeln für die Plakat-Visualisierung

In unserer modernen Businesswelt dominieren oft komplizierte Strukturen. Um sie zu verändern oder zu optimieren, müssen wir sie verstehen, und das ist oft gar nicht so einfach. Wenn Sie komplexe Sachverhalte oder Arbeitsabläufe mit Plakaten visualisieren, bringen Sie Unübersichtliches ideal auf den Punkt. Worauf Sie achten sollten, wenn Sie visuell präsentieren, erfahren Sie hier.


visualisieren mit plakaten


Mein Urgroßvater war Schreiner. Mit wenigen Werkzeugen baute er Tische, Kommoden oder Schränke – und einer davon ziert noch heute meine Küche. Das Besondere an seiner Arbeit war ihre Greifbarkeit. Alles, was er baute, war darauf ausgerichtet, dass jemand anderes es benutzt, und seinen Beruf konnte er stets durch die besonderen Abläufe, Werkzeuge, seinen Arbeitsraum oder die Ergebnisse seines Schaffens erklären.

In der modernen Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts sind uns solche bodenständigen Dinge abhandengekommen. Immer häufiger müssen wir virtuelle Informationen verarbeiten oder komplexe Strukturen, abstraktes Wissen oder große Mengen von Zahlen, Daten und Fakten verstehen. Dass uns das oft schwerfällt, liegt an einer simplen Zahl: der Sieben. Besser gesagt: Es liegt an der „Millerschen Zahl“.

Die „Millersche Zahl“ – oder: warum wir uns meist nur sieben Dinge auf einmal merken können.

Das von George A. Miller 1956 beschriebene Konzept der Millerschen Zahl gehört zu den meist zitierten Themen der Psychologie. Es geht von der Annahme aus, dass ein Mensch sich im Kurzzeitgedächtnis nur sieben (plus-minus zwei) Informationseinheiten („Chunks“) gleichzeitig merken kann. Wären wir also Computer – wir hätten einen ganz mickrigen Kurzzeitarbeitsspeicher, in den im Durchschnitt nur sieben Dinge hineinpassen.

Das zu berücksichtigen ist wichtig, wenn wir beim Visualisieren komplexe Themen auf Plakate übertragen.

Die drei wichtigsten Regeln beim Visualisieren mit Plakaten

Legt man die Theorie der Millerschen Zahl zugrunde, können wir annehmen, dass unsere Informationen am besten verarbeitet werden, wenn wir sie beim Visualisieren in maximal sieben, besser aber nur fünf „Chunks“ zusammenfassen. Um das zu schaffen, müssen wir lernen zu clustern und Inhalte sinnvoll zu hierarchisieren. Am besten funktioniert das, wenn man beim Aufbau seiner Plakate in diesen drei Ebenen denkt und arbeitet: Makro, Meso und Mikro.


Plakat-Betrachtungsebenen - Makro

 

MAKRO – Die Gesamtwirkung: Wie plakativ ist das Plakat? Hat es ein Gesicht? Wirkt es interessant, attraktiv, einladend? Die Gesamtwirkung entfaltet sich optimal aus einer Entfernung von zehn Metern und wirkt am besten, je auffälliger die gezeigten Schlüsselbilder und Farben sind.

Strategie: Wählen Sie ein auffälliges Schlüsselbild oder einen Hingucker und bedenken Sie die Farbwirkung!


Plakat-Betrachtungsebenen - Meso
MESO – Die Struktur: Welche Bereiche sind auf dem Plakat gut erkennbar und wie stehen sie miteinander in Verbindung? Wird der Blick des Betrachters durch passende Elemente geführt? Diese Punkte erkennt man gut aus einer Entfernung von drei Metern.
Strategie: Nutzen Sie maximal sieben verschiedene Informationsbereiche („Chunks“) und gestalten diese mit Containerlayouts, trennenden und verbindenden Linien und Pfeilen und einem differenzierenden Farbkonzept. Ordnen Sie Bereichsüberschriften und Illustrationen klar zu.


Plakat-Betrachtungsebenen - Mikro
MIKRO – Der Inhalt, Zahlen, Daten, Fakten: Was wird im Einzelnen vermittelt und erklären sich diese Informationen von selbst – oder muss man nachhelfen? Diese Details erkennt man am besten aus einer Entfernung von einem Meter.
Strategie: Nutzen Sie Farben, Piktogramme, Text, Grafik und Figuren, um Inhalte sinnvoll zu gliedern und Details bedeutungsvoll zu visualisieren; Achten Sie auf angemessene Textmenge, leserliche Schrift und darauf, dass Ihre Illustrationen erklärende oder erzählende Qualität erreichen.


Gelingt es, auf einem derart konzipierten Plakat komplexe Informationen strukturiert und hierarchisiert dazustellen, liegen die Vorteile für den Betrachter auf der Hand: Das Plakate bleiben im Raum und wer will, findet darin eine ideale Erinnerungsstütze, kann damit sein Kurzzeitgedächtnis auffrischen und seinen Fokus auf einzelne Teilbereiche konzentrieren.

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