#ourStories 2017: Visual Storytelling mit Flüchtlingen geht weiter

Ende August begleitete die bikablo akademie eine Kooperation der Aktion „Joblinge“ mit der Frankfurter Commerzbank. Auf Großflächenplakaten wurden die Geschichten  junger Migranten visualisiert. Das Projekt ist ein Nachfolger von #ourStories 2015 und 2016 der bikablo akademie und der Agneskirche Köln. Organisiert hat das diesjährige Projekt der passionierte Visualisierer Stephan Frank. Die Bilder sind noch bis Ende Dezember in der Lobby des Commerzbank-Towers in Frankfurt ausgestellt.


Die Idee für #ourStories war bei bei der bikablo akademie im Sommer 2015 entstanden, als mit vielen Flüchtlingen auch eine besondere Herausforderung auf deutsche Städte und Gemeinden zukam. Klaus Nelissen von der Willkommensinitiative Neue Nachbarn der Kirchengemeinde St. Agnes in Köln und Martin Haussmann von der bikablo akademie entwickelten die Idee für ein Projekt, das unter dem Namen „#ourStories – Flüchtlingsgeschichten auf Plakatwänden erzählen“ bekannt wurde. Die Visualisierungstrainer von bikablo ließen sich von Flüchtlingen persönliche Geschichten erzählen und gestalteten daraus Bildergeschichten auf Großflächenplakaten. Mit viel Medienresonanz waren sie wochenlang an der Kölner Agneskirche ausgestellt. Viele Engagierte in der Flüchtlingsarbeit fühlten sich durch diese Aktion in einem Moment der Verunsicherung gestärkt. Die Resonanz war so ermutigend, dass die Aktion 2016 wiederholt wurde und dabei auch Kölner Flüchtlingshelfer zu Wort kamen.

 

 

Stephan Frank von der Commerzbank wurde auf diese Aktion aufmerksam und entschloss sich, 2017 ein ähnliches Projekt aufzuziehen. „Ich habe 2015 und 2016 am bikablo-Curriculum zum Visual Facilitator teilgenommen und dabei die Aktion in Köln mitbekommen. Ich fand das damals schon eine ganz tolle Sache“, sagt er.

Auch die Commerzbank unterstützt im Rahmen eines Corporate-Responsibility-Programms Projekte, die benachteiligen Jugendlichen durch Praktika und Ausbildungsangebote helfen. „Seit einigen Jahren bin ich in diesem Angebot Bildungspate, begleite Jugendlichen als Mentor, versuche, ihnen die Lebenswirklichkeiten in Deutschland näher zu bringen und unterstütze sie bei Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen“, sagt Stephan.

#ourStories: Visual Storytelling im Commerzbank-Tower

Seine Idee war es, in den „Heiligen Hallen“ der Commerzbank in Frankfurt/Main eine #ourStories-Aktion durchzuführen. Gemeinsam mit bikablo und der Organisation „Joblinge“, die sich seit einigen Jahren in Deutschland um die Integration geflüchteter Jugendlicher in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt kümmert, wollte er die Geschichten weitererzählen, die den Schützlingen der „Bildungspaten“ seit ihrer Flucht aus verschiedene Ländern im Mittleren Osten und Afrika widerfahren waren.

Die Begeisterung für das Projekt ließ im Kollegenkreis nicht lang auf sich warten und auch bei bikablo fanden sich schnell Unterstützer. Über die Online-Community der bikablo akademie, in der über tausend Trainings-Alumni zusammenkommen, fand Stephan eine ganze Reihe von Visualisierern, die mitmachen wollten. Martin, Justo Garcia Pulido und Ramona Wultschner aus dem bikablo-Trainerteam unterstützten die Commerzbank-Leute bereits im Vorfeld bei der Organisation. Aktiv wurde über Material, Technik und Vorgehensweisen diskutiert, um die Herausforderungen zu meistern, die das Visualisieren auf großen Flächen mit Pinsel und Farbe mit sich bringt.

 

 

Spannender Perspektivwechsel

Während die Vorbereitungen liefen, wurden mit fünf Jugendlichen und ihren Begleitern im „Joblinge“-Projekt intensive Gespräche geführt. Die jungen Leute aus Syrien, Palästina und Somalia gaben in diesen Gesprächen ihre ganz persönlichen Erlebnisse wider. Sie erzählten von ihren Fluchterfahrungen und berichteten, wie sie die gesellschaftlichen und kulturellen Unterschiede und Herausforderungen im Beruf in ihrer neuen Umgebung erlebten. Viele Träume, Hoffnungen, Wünsche, Enthusiasmus und auch Humor kamen ans Licht. Susanne Schuch und Stephan Frank verbrachten einen Tag gemeinsam mit den Joblingen, schnupperten in die Arbeit hinein und dokumentierten ihre Erlebnisse. Auch die Berichte zweier Commerzbank-Mitarbeiter, die ehrenamtlich als Sprachtrainer arbeiten, flossen mit ein.

Um die Visualisierer und die „Joblinge“ aus dem Commerzbank-Programm „Kompass“ kümmerte sich Stephan, während sein Kollege aus dem Bereich Corporate Responsibility, Hannes Glock, die Infrastruktur und die Materialien organisierte. „Das Programm ’Kompass‘ hat die Commerzbank gemeinsam mit der Organisation ’Joblinge‘ aufgesetzt, um die Mentorentätigkeit speziell auf Jugendliche mit Fluchterfahrungen auszuweiten“, erklärt Stephan. „So konnten wir dann nicht nur Geschichten der geflüchteten Menschen visualisieren, sondern auch die Erlebnisse der Mentoren und einen typischen Tag bei den Joblingen.“

 

 

Geschichten erzählen und visualisieren

Nach einer intensiven Planungsphase und stetigem engen Austausch zwischen allen Teilnehmern war es am 21. August schließlich soweit: Das Foyer der Commerzbank wurde umgewandelt in ein öffentliches Atelier. Die Visualisierer zu den Pinseln und machten sich daran, ihre Entwürfe mit Acrylfarben auf großflächige Leinwände zu bannen. Auch hier waren die Trainer von bikablo vor Ort und unterstützten die Visualisierer der Bank und der Community mit ihren Erfahrungen aus den Vorjahren. Bereis am vierten Tag fand die Vernissage statt. „Meine Intention war es vor allem, die Kollegen mit diesem Projekt zu erreichen, damit wir diese Sache im nächsten Jahr – vielleicht eine Nummer größer – wiederholen können“, sagt Stephan.

Bei den Plakaten, die bis Jahresende ausgestellt sind, geht um viel mehr als nur um die Geschichten von Flucht und Ankunft. Berührende Porträts ganz unterschiedlicher Menschen erzählen in leuchtenden Farben von Wünschen, Träumen und ganz persönliche Erlebnissen. Auch die eine oder andere kleine Erfolgsgeschichte zum Thema gelungener Integration ist zu sehen.

 

 

Ein Erlebnis, das bei allen Beteiligten noch lange nachklingt

Das mehrköpfige Team rund um Stephan Frank ist nicht nur von der Aktion begeistert – auch die Resonanz auf die gemeinsamen Arbeit klingt positiv nach. Den Visualisierern hat das Ganze einen Riesenspaß gemacht und auch die „Joblinge“ profitieren von dem Projekt. Schon während der Eröffnung fanden Gespräche statt, in denen Praktika und andere Unterstützungsmöglichkeiten für Jugendliche mit Fluchterfahrungen angebahnt wurden. Was die Bilder bei den jungen Geschichtenerzählern selbst ausgelöst haben, kann man nur ahnen.

Die bikablo akademie blickt nach der umfangreichen Organisationsarbeit mit einigem Stolz auf dieses erfolgreiche Gemeinschaftsprojekt: „Wir freuen uns sehr, dass die Idee #ourStories damit bereits in die dritte Runde geht“, sagt Martin Haussmann, „und wir hoffen, dass sich in Zukunft immer wieder Menschen finden, die sich dieses einfache, erfolgversprechende Konzept im Kontext Flüchtlingsarbeit zueigen machen.“

Mehr zum bikablo-Projekt #ourStories 2016

 

 

Die Visualisierer von #ourStories 2017 waren:
Stephan Frank (Commerzbank)
Verena Hopfgarten (Commerzbank)
Erich Pfarr (Commerzbank)
Susanne Schuch (Commerzbank)
Birgit Spahn (Commerzbank)
Maria Strobel (Commerzbank)
Martin Hausmann (bikablo akademie Köln)
Daniela Kauer (Deutsche Bahn)
Justo G. Pulido (bikablo akademie Köln)
Monika Ripperger (Stadt Frankfurt)
Ramona Wultschner (bikablo akademie Köln)